Blogeintrag

"Vorhang auf für die Horrorshow"

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"Vorhang auf für die Horrorshow!"

Seit vergangener Woche Freitag verloren die Verschmutzungsrechte mit dem Referenzkontrakt zur Lieferung im Dezember dieses Jahres von in der Spitze bei 19,88 Euro/t CO2 bis zum Tief am Mittwoch bei 18,35 Euro/t CO2 um 1,53 Euro/t CO2 bzw. 7,7 Prozent an Wert. Das Handelsvolumen an der Londoner Börse ICE war dabei unterdurchschnittlich und blieb deutlich unter dem Mittelwert der letzten 50 Handelstage zurück. Der seit dem Hoch vom 17.04. bei 22,55 Euro/t CO2 etablierte Abwärtstrend wird also nicht von einem stabilen Volumen getragen. Es kann festgestellt werden, dass seit Anfang Mai und somit seit dem Ende der Compliance-Käufe für das Jahr 2019, die Handelsvolumen nicht mehr die ursprünglichen Werte seit Anfang des Jahres bis einschließlich April erreicht haben. Die Marktteilnehmer üben sich derzeit also in abwartender Kaufzurückhaltung.

MSR-Entnahme bleibt hinter Erwartungen zurück

Letzte Woche Freitag veröffentlichte die EU-Kommission die Kennzahl „TNAC“ (Total Number of Allowances), also die Anzahl an Emissionszertifikaten im Umlauf. Überschüssige Zertifikate werden in die Marktstabilitätsreserve aufgenommen, wenn ihre Anzahl 833 Mt übersteigt. 24 Prozent der Zertifikate im Umlauf werden dann in der Folgeperiode ab September in die MSR aufgenommen. Der Überschuss an Zertifikaten im EU-ETS fiel der Kommission zufolge 2019 von ca. 1.650 Mt im Vorjahr auf 1.385,5 Mt, was zu einer MSR-Aufnahme von 332,5 Mt führen wird und damit unter der bisherigen Aufnahme von 397 Mt liegt. Laut Analysen von EnergyCharts ist dies ein bearisher Preistreiber am CO2-Markt. Die ohnehin schleppenden Nachfrageaussichten aufgrund der Corona-Krise in Verbindung mit dem höheren Auktionsangebot ab September dürften damit auch weiter auf die Preise drücken.

Produktionsstopps und eine kollabierte Nachfrage

Zu Beginn der Woche am Montag lastete auf den Notierungen der CO2-Zertifikate ein allgemein negatives Sentiment, denn die Marktteilnehmer blickten nervös in Richung China: Nahe der Grenze zu Nordkorea und Russland wurde Berichten von Bloomberg zufolge die Stadt Shulan mit 700.000 Einwohnern abgeriegelt, nachdem sich dort zuletzt Fälle von Coronavirus-Infektionen häuften. Auch in Südkorea wurden die Sicherheitsmaßnahmen wieder erhöht, nachdem die Anzahl der Infektionen wieder angestiegen war. Dies nährte die Angst vor einer zweiten Welle in Europa und die Aktiemärkte gerieten unter Druck, was auch die CO2-Preise in Mitleidenschaft zog. Seitens der Konjunkturdaten war es am Donnerstag der KW 19 vor allem die Industrieproduktion in Deutschland, die für Aufsehen sorgte. Zwar waren Analysten schon von einem starken Rückgang ausgegangen, allerdings sackte die Produktion im März um 9,2 Prozent gegenüber dem Februar ab. Einen derartig schlechten Wert gab es seit Jahrzehnten nicht mehr. Im Nachbarland Frankreich betrug der Rückgang im gleichen Zeitraum sogar 16,2 Prozent. Volkswirte sind entsetzt: "Vorhang auf für die Horrorshow", kommentierte DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle. "Produktionsstopps auf der einen Seite und eine kollabierte Nachfrage im In- und Ausland auf der anderen Seite erschütterten die deutsche Industrie in noch nie dagewesenem Umfang. Und das war erst der Beginn." Auch andere Analysten und das Bundeswirtschaftsministerium gehen davon aus, dass der Rückgang im April noch deutlich dramatischer ausgefallen sein dürfte.

„Just Transition Fund“

Am Dienstag endete die Frist zur Einreichung von Änderungsvorschlägen an EU-Kommissionspräsidentin von der Leyens „Just Transition Fund“, der Teil des „Green Deal“ der EU ist und für den 100 Milliarden Euro bis 2027 mobilisiert werden sollen. Der Fonds soll von der Leyens Versprechen einlösen, bei der großen Transformation niemanden zurückzulassen und Europa zum ersten klimaneutralen Kontinent der Welt zu machen. Von diesem klimapolitischen Ereignis zeigten sich die EUAs am Dienstag recht unbeeindruckt. Im Gegenteil, es ging auf Schlusskursbasis 2,8 Prozent in die Tiefe auf 18,52 Euro/t CO2. Am Mittwoch konnten sich die CO2-Zertifikate dann wieder etwas erholen und gingen 0,8 Prozent höher bei 18,67 Euro/t CO2 aus dem Handel. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Marktberichts handeln die EUAs bei 18,57 Euro/t CO2 und damit 0,5 Prozent unter dem Vortagesschlusskurs.

Angebotsdefizit in den Primärauktionen in KW 21

In der nächsten KW 21 werden aufgrund des Feiertags an der EEX nur 11,5 Mio. Zertifikate über die Primärauktion versteigert. Am Freitag findet keine Auktion statt. Auch an der Londoner Börse ICE wird es keine Versteigerung geben, so dass das angebotene Volumen am Primärmarkt in der nächsten Woche insgesamt sehr schwach ausfällt.

 

Autoren: Stefan Küster, Dennis Warschewitz

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